Mobiles LTE: So wird es sich in Deutschland entwickeln

LTE ist weltweit auf dem Vormarsch als die Technik, die einen schnellen mobilen Zugang ins Internet ermöglicht. In Deutschland wird es anfangs als stationärer Ersatz für einen Kabelanschluss vermarktet. 

Ein Blick ins Ausland verrät, wie sich LTE als Technik für die mobile Datenübertragung entwickeln wird.

Erst einmal Internet - kein Telefon, keine SMS

Die schlechte Nachricht: SMS und mobiles Telefonieren gibt es mit LTE erst einmal nicht. Die gute Nachricht: Diese Funktionen, für die Mehrheit der deutschen Handybesitzer immer noch die wichtigsten, kann man sehr gut in den bestehenden GSM- und UMTS-Netzen ausüben. Dazu braucht man kein LTE.

Weil LTE sehr schnell Daten übertragen kann und eine sehr kurze Reaktionszeit des Netzes hat (umgangssprachlich Ping genannt), wird es weltweit eingesetzt als schneller Zugang zum Internet unterwegs oder zuhause. Die LTE-Anbieter in Skandinavien, Österreich - dort gibt es lokale Netze in Wien, St. Pölten und Innsbruck - in den USA oder Japan verkaufen ihre LTE-Tarife erst einmal mit Surfsticks. Damit können Laptop-Besitzer innerhalb des LTE-Netzes schnell online gehen.

Schweden und Norweger Erste, USA Vorreiter

Schweden und Norweger haben sich das weltweit erste kommerziell genutzte LTE-Netz gegönnt, die USA sind das Land, in dem LTE schon die Masse der Kunden erreicht. Sowohl aus dem LTE-Aufbau in Skandinavien wie dem in den USA kann man Schlüsse ziehen, wie sich in Deutschland LTE als mobile Funktechnik entwickeln wird.

In Schweden und Norwegen sind es zuerst die großen Städte und Ballungsräume, die mit LTE versorgt wurden. Ist man dort, kann man schnell surfen, außerhalb geht nichts mehr. Anfangs gab es einen Surfstick, der nur LTE beherrschte, nach einem halben Jahr gab es Sticks für LTE plus UMTS.

Auch in Deutschland wird mobiles LTE, ähnlich wie in Skandinavien, bald punktuell in ein paar Großstädten verfügbar sein. Wer einen LTE-Tarif nutzt und sehr mobil ist, wird dann immer noch sehr oft auf die ältere Technik UMTS, schlimmstenfalls sogar auf ein GSM-Netz mit der Datenübertragungstechnik EDGE ausweichen müssen.

Etwas weiter ist man in den USA, wo der Anbieter Verizon Wireless das LTE-Netz auch in der Fläche schon sehr gut ausgebaut hat. Doch selbst hier zeigt sich das gleiche Bild: Auch die Amerikaner müssen – je nach Standort - auf ältere Datenfunktechniken ausweichen, um einen mobilen Internetanschluss durchgängig zu nutzen.

USA: Surfsticks und Smartphones

Bei der Einführung von LTE-Geräten sind die US-amerikanischen LTE-Anbieter Verizon Wireless und MetroPCS Vorreiter, sie werden in den nächsten Jahren ausprobieren, was sich dann nach und nach auch in anderen Ländern als LTE-Anwendung durchsetzt – oder wegen Erfolglosigkeit erst einmal vermieden wird.

Bei Verizon Wireless gab es zuerst LTE-Surfsticks, die man sowohl mit älteren Funktechniken als auch mit LTE nutzen kann. Anfangs hatten die Sticks Probleme beim Übergang von einer Funktechnik zur anderen, die scheinen mittlerweile behoben.

Einen anderen Weg ging MetroPCS, das weltweit als erstes Unternehmen LTE-Smartphones auf den Markt brachte. Diese Smartphones haben einen Vorteil: Man kann damit so schnell im Internet surfen wie mit keinem anderen Smartphone. Sie haben aber auch einen großen Nachteil: Die Telefonate werden nicht über LTE abgewickelt, sondern über ältere Mobilfunktechniken. Ist man also gerade per LTE im Internet und es kommt ein Anruf, bricht die Internet-Verbindung ab, weil das Gerät auf andere Funktechnik umschaltet, so berichtet das amerikanische Infoportal Gigaom.

MetroPCS hatte damit vor allem einen großen Erfolg: Seither wird weltweit in vielen Internet-Medien über den Mobilfunkbetreiber und seine LTE-Smartphones berichtet. Genaue Zahlen zum Verkauf seiner LTE-Smartphones liefert das Unternehmen aber nicht, die Nachfrage der Kunden hält sich wohl in Grenzen. Denn LTE-Smartphones sind etwas für Menschen, die vor allem mit diesen Smartphones mobil ins Internet gehen.

Prognose: Vom Surfstick zum Tablet

So schlägt der zweite LTE-Anbieter Verizon Wireless auch einen anderen Weg ein: Erst einmal Sticks, dann Router mit denen mehrere Menschen einen LTE-Anschluss gleichzeitig nutzen können. LTE-Smartphones wurden zwar angekündigt, aber als nächstes dürften erst einmal Notebooks und Tablets kommen.

Vor allem Tablets mit eingebautem LTE-Modem könnten sich als typische LTE-Geräteklasse  am Markt durchsetzen: Die vielfältigen Anwendungen, deren Zahl täglich steigt, verlangen eine schnelle Datenanbindung ans Internet. Die Geräte selbst sind für den mobilen Interneteinsatz besser geeignet als die Smartphones mit dem deutlich kleineren Bildschirm. Und dass es einstweilen mit LTE kein Telefonieren gibt, stört bei Tablets auch nicht.

Autor: ET