06.03.2013

Kein Fernsehen über LTE

In Deutschland wird es wohl kein per LTE übertragenes Fernsehen geben. Das meint Ulrich Reimers, Mitbegründer des DVB-T Standards für Fernsehübertragungen, auf einem Symposium der Landesmedienanstalten zum Thema „Mobiles Fernsehen“. Grund sei die Volumenbegrenzung bei LTE-Tarifen.

Grundsätzlich ist die Übertragung von Fernseh-Programmen per LTE möglich, wie ein Praxistest von Nokia Siemens Networks (NSN) Anfang des Jahres in China zeigte.

TV-Übertragung per LTE ist technisch möglich

NSN übertrug in der chinesischen Stadt Xiamen Live-TV-Bilder eines Marathonlaufes. Die Übertragung blieb während der gesamten Dauer stabil. Via LTE ist auch die Übertragung von hochauflösendem (HD) Fernsehen möglich. Anders als in Deutschland wird in China für LTE das Time Division Duplex (TDD) Verfahren angewendet. Laut NSN ist mit dem hierzulande üblichen Frequency Division Duplex (FDD) Verfahren jedoch ebenso eine ausreichende Bandbreite zu erzielen, um Fernsehbilder zu übertragen. Im Uplink sind bis zu 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) denkbar.

Allerdings gehen solche Bandbreiten zu Lasten anderer Teilnehmer einer Funkzelle. Da es sich bei LTE um ein sogenanntes Shared Medium handelt, wird die verfügbare Bandbreite einer Funkzelle auf alle Teilnehmer aufgeteilt. So wird in einer LTE-Funkzelle für den Einzelnen in den seltensten Fällen die volle Bandbreite zur Verfügung stehen.

Volumenbegrenzung ist ein Hinderungsgrund

Daher wird bei LTE-Tarifen die Bandbreite ab einem bestimmten Datenvolumen auf GPRS-Tempo gedrosselt, um allen Nutzern ein gleichwertiges Surferlebnis zu gewährleisten. Genau darin liegt jedoch das Problem bei der TV-Übertragung per LTE. „Angenommen, die Surfgeschwindigkeit wird bei einem Volumen von zehn Gigabyte gedrosselt, so könnte der Nutzer pro Monat nur rund acht Stunden mobiles Fernsehen in Standardqualität empfangen", erläutert Ulrich Reimers von der Technischen Universität Braunschweig.

Reimers sieht in LTE daher keine Alternative zum bisher genutzten DVB-T Standard für die terrestrische TV-Übertragung. Nach dem angekündigten Ausstieg von RTL aus dem DVB-T-Fernsehen werden andere Übertragungswege diskutiert. Die Volumenbegrenzung bei LTE-Verträgen scheint ein eindeutiger Hinderungsgrund zu sein.

Auch Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für neue Medien (BLM), kommt zu dem gleichen Ergebnis. Auch er hält DVB-T beziehungsweise dessen Nachfolger DVB-T2, mit dem auch HD-Fernsehen möglich ist, für geeigneter für die terrestrische TV-Übertragung als den Mobilfunk. Allerdings müsse man über eine hybride Versorgung über Mobilfunk- und Rundfunknetze nachdenken.

Autor: MB