07.08.2014

Mobiles 4G-Internet in Italien nutzen: So funktioniert LTE-Roaming in Italien

Seit 1. Juli gelten neue Roaming-Regeln in der EU. Die Nutzer profitieren von gesenkten Preisen für mobile Telefonie und Datendienste im europäischen Ausland. Die Netzbetreiber Vodafone und Telekom bieten inzwischen auch LTE-Roaming im Ausland an. Das Online-Magazin teltarif.de hat Roaming im LTE-Netz in Norditalien getestet.

Vodafone und Telekom bieten LTE-Dienste

Als erster deutscher Mobilfunkanbieter hat Vodafone Ende Mai den LTE-Zugang in einigen europäischen Partnernetzen freigeschaltet, die Telekom folgte kurz darauf mit einem ähnlichen Angebot. Für Reisende gilt seitdem: wer sich innerhalb Deutschlands ins LTE-Netz einbuchen kann, sollte auch im internationalen Roaming Zugang zur 4G-Technologie bekommen.

Funktioniert die LTE-Nutzung im Ausland aber tatsächlich? In Italien bieten sowohl Vodafone als auch die Telekom den mobilen 4G-Zugang an. Die Tester des Fachmagazins teltarif.de waren mit Vertragskarten von Vodafone und von der Telekom im Nokia Lumia 1020 und im Samsung Galaxy Note 3 unterwegs. Darüber hinaus hatten die Tester eine Postpaid-SIM des Discounters congstar im Gepäck, die im Blackberry Q10 genutzt wurde.

LTE-Ausbau in Italien

Der teltarif.de-Praxistest startete in der norditalienischen Provinz-Hauptstadt Udine. Laut Netzabdeckungskarte ist das 4G-Netz in vielen Provinzen nur in größeren Städten verfügbar. Die LTE-Versorgung ist in Italien nicht so flächendeckend ausgebaut wie in Deutschland. In Udine ist LTE verfügbar. Wie die teltarif.de-Tester schreiben, buchten sich die SIM-Karte von Telekom und congstar ins Netz von Telecom Italia Mobile (TIM) ein, während mit der deutschen Vodafone-Karte das LTE-Roaming im italienischen Vodafone-Netz möglich war. Allerdings ist die LTE-Nutzung nicht ganz einfach, technisch nicht versierte Kunden könnten Schwierigkeiten mit der Einbuchung in das jeweilige LTE-Netz haben.

Wie sich im teltarif.de-Test zeigte, steht mit den deutschen SIM-Karten aktuell nur jeweils ein LTE-Roaming-Partner zur Verfügung. Das Smartphone bucht sich nicht automatisch ins 4G-Netz um, wenn es bei einem anderen Roaming-Partner - beispielsweise beim dritten italienischen Betreiber Wind - eingebucht ist. Hier können zwar GSM und UMTS sowie Datenübertragungen per GPRS, EDGE und HSPA wie gewohnt genutzt werden, der Zugang zum LTE-Netz bleibt jedoch verwehrt.

LTE-Zugang manuell einstellen

Die Experten von teltarif.de raten daher, zunächst das Netz des Roaming-Partners manuell auswählen, mit dem der eigene Provider ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen hat. Vodafone und die Telekom haben Länder genannt, in denen die Kunden LTE-Roaming zur Verfügung gestellt bekommen. Allerdings fehlt bislang eine Liste der Netzbetreiber im Reiseland, bei denen der 4G-Zugang möglich ist. Wer sich als Kunde nicht sicher ist, welcher Roaming-Partner des eigenen Netzbetreibers den LTE-Zugang anbietet, kann sich nacheinander in die verschiedenen Netze im Gastland einbuchen, um die mobile Internet-Versorgung zu testen.

4G-Netze in Italien stark ausgelastet

Die 4G-Netze werden in Italien schon jetzt sehr intensiv genutzt. Während des Praxistests mit der Vertragskarte der Telekom zeigten sich bei Telecom Italia Mobile deutliche Überlastungserscheinungen: so waren die Übertragungsraten im Upload mit rund 14 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) besser als im Download, wo die teltarif.de-Tester lediglich etwa 9 Mbit/s erreichten.

Mit der SIM-Karte von congstar kamen die Tester auf maximal rund 7 Mbit/s. Die congstar-Kunden sind aber auch innerhalb Deutschlands auf 7,2 Mbit/s im Download beschränkt. Die Ping-Zeiten lagen im Netz von TIM bei rund 120 ms. Dabei spielte es keine Rolle, ob wir die Telekom-Vertragskarte oder die Discounter-SIM von congstar verwendet haben.

Enttäuschend war laut teltarif.de die Performance des Upstreams im Netz des italienischen Vodafone-Ablegers. Die Tester verzeichneten lediglich rund 500 kBit/s bei dem Roaming-Test mit der deutschen Vodafone-SIM. Im Downstream verzeichneten die Techniker im Durchschnitt etwa 12 Mbit/s. Die Ansprechzeiten lagen im Test zwischen 80 und 90 ms. Das ist besser als im Netz von TIM, dennoch aber für LTE-Verhältnisse kein gutes Ergebnis. Zum Vergleich: In Deutschland hat teltarif.de im Rahmen von diversen Tests in den LTE-Netzen zum Teil Ansprechzeiten von weniger als 40 ms gemessen.

LTE-Signal ja, aber schwach

Wie der Praxistest ergab, ist Udine mit LTE von TIM und Vodafone recht gut versorgt. Im gesamten Stadtgebiet konnten die Tester die beiden 4G-Netze empfangen. Je nach Aufenthaltsort war die Feldstärke aber selbst im Stadtzentrum recht schwach. Und schon wenige Kilometer außerhalb der Stadt war das LTE-Netz nicht mehr verfügbar. Die im Test verwendeten Smartphones wechselten in diesen Fällen sofort ins UMTS-Netz, das einen sehr guten Ausbaustand erreicht.

Wie in Deutschland ist auch in den italienischen LTE-Netzen derzeit noch kein Telefonie-Dienst verfügbar. Also ist für Telefonate ein automatischer Wechsel ins GSM- oder UMTS-Netz erforderlich. Das klappte im Test sowohl im Netz der Telecom Italia Mobile als auch im italienischen Vodafone-Netz. Nach Gesprächsende erfolgte innerhalb weniger Sekunden ein automatisches Zurückbuchen ins LTE-Netz.

Autor: FN