05.01.2018

Von Sim-Lock bis Zoll: Was beim Smartphone-Kauf im Ausland beachtet werden muss

Smartphones im Ausland kaufen, kann mitunter attraktiv sein – vor allem preislich. Doch funktioniert das Gerät auch in den hiesigen Netzen? Und was gilt es sonst zu beachten? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich der folgende Artikel.

Smartphone Modelle (Foto: Jon Fingas / Flickr Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Unterschiedliche Frequenzen und Mobilfunkstandards

Wer sein Smartphone im Ausland kauft und das Gerät in den deutschen Mobilfunknetzen nutzen möchte, sollte vor allem auf die unterstützten Frequenzen des Gerätes achten. Selbst wenn das Smartphone laut Hersteller LTE unterstützt, muss das hierzulande noch lange nicht funktionieren, da beispielsweise in den USA ganz anderen Frequenzen für LTE genutzt werden als in Europa.

Für LTE werden hierzulande die Frequenzen 800, 1.800 und 2.600 Megahertz (MHz) genutzt. Wer jedoch ein Smartphone erworben hat, das den in den USA verbreiteten CDMA-Standard nutzt, wird in Europa nicht einmal das GSM-Netz nutzen können. Auch bei der Angabe von 3G muss nicht das hiesige UMTS gemeint sein, sondern die in Europa nicht verwendeten Standards CDMA2000 oder TD-SCDMA. Zudem sollte das Gerät für die UMTS-Nutzung in Deutschland mindestens den Bereich um 2.100 MHz (Band 1) nutzen. Ideal wäre zusätzlich das Band um 900 MHz (Band 8).    

Doch auch wenn das Gerät die passenden Frequenzen unterstützt, heißt das noch lange nicht, dass es auch hierzulande funktioniert. Eine weitere Rolle spielt nämlich die Art der Übertragung. In Deutschland setzen die Netzbetreiber für UMTS und LTE in der Regel auf den FDD-Modus. Einige chinesische Geräte unterstützen hingegen nur das TDD-Verfahren.

Smartphone ohne Sim- und Net-Lock kaufen

Der Gerätehersteller Samsung versieht seine Smartphones mit einer regionalen Sim-Sperre. Diese Sperre kann man aufheben, indem man in der vom Hersteller vorgesehenen Region über einen lokalen Anbieter mindestens fünf Minuten telefoniert. Danach kann das Gerät mit einer beliebigen Sim-Karte bestückt werden. Wer sich solch ein Gerät importieren lässt, sollte darauf achten, dass das Smartphone vom Händler bereits aktiviert worden ist.

Bei anderen Herstellern gibt es solch eine Sim-Sperre nicht. Dafür werden in Ländern wie den USA viele Smartphones exklusiv an bestimmte Netzbetreiber gebunden. Daher sollte darauf geachtet werden, dass das Gerät „unlocked“ verkauft wird, also ohne Sim- und Net-Lock. Andererseits kann es mit einem anderen – deutschen – Anbieter mitunter nicht genutzt werden. 

Zusätzliche Kosten einrechnen

Wer ein Smartphone im Ausland kauft, muss mitunter zusätzliche Kosten zahlen. In der EU kann ein Gerät ohne Zusatzkosten bestellt werden. Wer ein Smartphone aus Nicht-EU-Ländern einführen lässt, muss aber ab einem Warenwert von 22 Euro eine Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Die ist ähnlich wie die deutsche Mehrwertsteuer; bei Smartphones werden also 19 Prozent zusätzlich berechnet. Bei Beträgen über 150 Euro fallen zudem mitunter Zollgebühren an. Derzeit sind aber Smartphones und auch Tablets und Notebooks noch zollfrei. Für diejenigen, die ihr im Ausland erworbenes Smartphone persönlich einführen, gelten hingegen andere Regelungen: Auf dem Landweg sind bis 300 Euro abgabefrei, bei Flug- und Seereisen sind es Waren im Wert von 430 Euro.

Garantie und Gewährleistung gilt meistens nur innerhalb der EU

Wenn das im Ausland bestellte Smartphone plötzlich einen Schaden hat, hat der Kunde – sofern das Gerät in der EU erworben wurde – dieselben Rechte wie in Deutschland. Der Händler muss also 24 Monate lang die Funktion des Smartphones gewährleisten. Nach 6 Monaten tritt aber eine Beweislastumkehr ein: Der Käufer muss dann beweisen, dass der Fehler schon beim Verkauf vorhanden war. Für die Rücksendung von defekten Smartphones muss der Kunde nichts zahlen. Zudem ist der Händler dazu verpflichtet auf eigene Kosten den Fehler nachzubessern.

Wer das Gerät außerhalb der EU bezogen hat, könnte Schwierigkeiten bei einem Schadensfall bekommen. Die Rücksendekosten muss der Kunde häufig selbst übernehmen, der Hin- und Rückversand dauert zudem mehrere Wochen. Mal ganz davon abgesehen, dass – je nach Herkunftsland – die eigenen Rechte bei dem Händler schwer durchzusetzen sind. 

Hersteller wie Acer, Apple oder Samsung bieten Kunden europa- oder gar weltweite Garantien an, die in jedem Land von der lokalen Niederlassung abgewickelt werden. Andere Hersteller verweisen hingegen auf die im jeweiligen Land geltenden Regelungen.

Keine Angst vor Sprachbarrieren

Handelt es sich bei dem Smartphone um eine Fälschung oder entspricht das Gerät allgemein nicht den geltenden Bestimmungen wie Sicherheitsvorschriften der EU, kann der Zoll die Einfuhr verweigern. Einer der häufigsten Gründe ist die fehlende CE-Kennzeichnung. Einbehaltende Geräte werden eventuell zurückgeschickt oder zerstört.

Auf einem im Ausland erworbenen Smartphone ist mitunter die jeweilige Landessprache vorinstalliert. Die Betriebssysteme sind in der Regel aber mit Sprachpaketen ausgestattet, die die gängigsten Sprachen umfassen. Deutsch dürfte also auch dabei sein.

Aber: Vom Hersteller vorgenommene Anpassungen und mitgelieferte Apps lassen sich unter Umständen nur in der Originalsprache nutzen. Bei Apples iOS sind alle vom Unternehmen unterstützten Sprachen vorhanden und die vorinstallierten Apps lokalisiert.

Autor: ES